820.000 Namen: Erweiterte Recherche der Vertriebenen

Seit gut zwei Monaten ist die Sonderausstellung „Human und menschlich …? Die regulierte Vertreibung der Sudetendeutschen“ im Sudetendeutschen Museum zu sehen. Nun gibt es einen weiteren Anlass für einen Besuch: Die Recherchemöglichkeiten in den digitalisierten Transportlisten der Vertreibung von 1946 wurden erweitert. Die Zahl der recherchierbaren Namen ist von rund 600.000 auf mehr als 800.000 gestiegen. Damit ist die Suche nach vertriebenen Sudetendeutschen nun noch umfassender möglich.

Das Sudetendeutsche Museum bietet die Möglichkeit, an einer Medienstation in insgesamt 1.292 digitalisierten Transportlisten der Vertreibung des Jahres 1946 nach etwa einer Million Personen zu recherchieren. Das entspricht rund 55 bis 60 Prozent aller Transporte bzw. 80 Prozent aller Transporte in die US-Zone (v.a. nach Bayern).

Bei den Transportlisten handelt es sich um einen Bestand des Zentralen Militärarchivs in Prag. Die Transportlisten in die sowjetische Besatzungszone sind darin nicht erfasst. Aus rechtlichen Gründen ist der Bestand ausschließlich offline und nur im Sudetendeutschen Museum einsehbar.

Fortan ist die namentliche Recherche in 820.000 Fällen möglich. Etwa 120.000 Namen können aufgrund von Beschädigungen der Listen durch das Hochwasser von 2002 nicht erfasst werden. Der komplette digitalisierte Bestand mit 1.044.000 Namen ist jedoch in Form von PDF-Dokumenten einsehbar.

Hinweis: Auch nach dem Ende der Sonderausstellung am 10. Januar 2027 besteht die Möglichkeit zur Recherche im Sudetendeutschen Haus. Aufgrund der personellen Ressourcen und der zunehmenden Zahl an Anfragen kann das Museumsteam allerdings keine individuellen Recherchen übernehmen. Die Recherche muss daher selbstständig, durch Bekannte oder Verwandte oder durch damit beauftragte Personen durchgeführt werden. Auf schriftliche Anfrage kann der Scan eines einzelnen Waggons sowie des Deckblatts eines Transports zugesandt werden. Hierfür sind das genaue Transportdatum und der Ort anzugeben. (Bitte geben Sie für statistische Zwecke die vollständige Postanschrift des Absenders an.)

Hintergrund: Fast die Hälfte der Sudetendeutschen kam nach Bayern

Vor 80 Jahren verloren mehr als zwei Millionen Deutsche aus dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik ihre Heimat. Fast die Hälfte davon kam nach Bayern. Mit den alliierten Siegermächten war die Vertreibung der Sudetendeutschen auf der Basis eines „human transfer“ vereinbart worden. Die regulierte Vertreibung sollte nach den Worten des tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Beneš „human und menschlich“ verlaufen. An dieses Ereignis erinnert die Sonderausstellung, die das Phänomen von Vertreibungen, die Planungen zur Vertreibung der Sudetendeutschen von 1939 bis 1945, den Verlauf der verschiedenen Phasen sowie die Ankunft in der neuen Umgebung behandelt: Nüchterne Gestaltung und emotionale Zugänge wechseln einander ab. Zudem wendet sich der bekannte YouTuber Mirko Drotschmann alias „Mr. Wissen2go“ an verschiedenen Bildschirmen primär an die jüngere Zielgruppe. Darüber hinaus zieht eine besondere Videoinstallation die Gäste in den unaufhaltsamen Prozess der Vertreibung hinein. Berichte von Zeitzeugen und mehr als 100 Objekte, die überwiegend aus dem Bestand des Sudetendeutschen Museums stammen, erzählen persönliche Geschichten.

Der Eintritt ist frei. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr.

Weitere Informationen: www.sudetendeutsches-museum.de

Höhepunkte des Begleitprogramms

„Unter die Lupe genommen – 20 Minuten, ein Exponat“: In der Kurzreihe werden besondere Ausstellungsstücke und ihre Geschichten vorgestellt, jeweils von 17 bis 17.20 Uhr. Im Mittelpunkt stehen folgende Exponate: ein Seidenkleid mit bewegter Geschichte am 7. Oktober, ein kürzlich restaurierter Kinderwagen am 13. Oktober und 2. Dezember sowie eine gerettete Heiligenfigur am 10. November. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kuratorenführungen durch die Sonderausstellung: Vertiefende Einblicke in „Human und menschlich …? Die regulierte Vertreibung der Sudetendeutschen“ bieten Führungen am 5. November von 16 bis 17 Uhr und am 3. Dezember von 16.30 bis 17.30 Uhr. Eine Anmeldung ist ebenfalls nicht erforderlich.

Aktionstage für Schulen „Erinnerungen in Sand-Art“: Schulklassen der Jahrgangsstufen 4 bis 7 setzen sich gemeinsam mit der Sand-Art-Künstlerin Nadia Ischia mit Heimatverlust, Flucht und Vertreibung auseinander (Donnerstag, 15. Oktober, und Freitag, 16. Oktober, jeweils 9 bis 11 Uhr und 11 bis 13 Uhr; Anmeldung bis 14. Oktober erforderlich).

Lange Nacht der Münchner Museen: Am Samstag, 17. Oktober, bietet das Museum ein umfangreiches Nachmittags- und Abendprogramm: Sand-Art-Shows von 14 bis 14.30 Uhr und von 16 bis 16.30 Uhr, Sand-Art-Workshops um 14.45, 15.15, 16.45 und 17.15 Uhr, Familienführungen um 15 und 17 Uhr sowie Kurzführungen durch die Sonderausstellung um 18, 19, 20, 21, 22, 23 und 24 Uhr. Für die Sand-Art-Workshops ist eine Anmeldung bis 16. Oktober erforderlich. Für die übrigen Angebote ist keine gesonderte Anmeldung nötig; benötigt wird je nach Veranstaltung ein Kinderprogramm- oder Lange-Nacht-Ticket. Die Familienangebote richten sich an Kinder ab sechs Jahren in Begleitung einer erwachsenen Person.

„Erzählen, erforschen, erinnern – wir verbinden Generationen“: Familiengeschichten, generationenübergreifende Erinnerungen und Möglichkeiten der eigenen Familienrecherche stehen im Mittelpunkt (12. November und 7. Januar 2027, jeweils 16 bis 18 Uhr). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

„Die dritte Generation“: Devin Long aus Dallas erzählt im Gespräch mit Kuratorin Eva Haupt die Geschichte seiner sudetendeutschen Großmutter Edith Sündermann-Long (25. November, 18 bis 20 Uhr; Anmeldung bis 23. November erforderlich).

Sudetendeutsche Dialoge: Die Tagung „Entwurzelung durch Vertreibung – eine Prägung über Generationen“ ist für alle Interessierte offen, Verpflegung inklusive (26. November 9 bis 18 Uhr, Adalbert Stifter-Saal; Anmeldung bis 24. November erforderlich).

Finissage der Sonderausstellung: Den Abschluss bildet die Finissage am Sonntag, 10. Januar 2027, ab 13 Uhr. Führungen finden von 13 bis 14 Uhr, von 15 bis 16 Uhr und von 17 bis 18 Uhr statt; Sand-Art-Shows der Künstlerin Nadia Ischia schließen sich von 14 bis 14.30 Uhr, von 16 bis 16.30 Uhr und von 18 bis 18.30 Uhr an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Veranstaltungen sind kostenfrei, sofern nicht anders vermerkt. Anmeldung zu den entsprechend gekennzeichneten Veranstaltungen:
anmeldung@sudetendeutsches-museum.de oder telefonisch unter +49 (0) 89 480003-37.

Das vollständige Programm mit allen Uhrzeiten, Anmeldefristen und Teilnahmebedingungen finden Sie unter: www.sudetendeutsches-museum.de/veranstaltungen/