Freyunger Heimatstube findet neues Zuhause in München

Freyung ist eine lebendige Stadt im Bayerischen Wald, in der erst 2023 die Landesgartenschau zu sehen war und in der derzeit die Landesausstellung gastiert. Dennoch blieben zuletzt die Besucher im Winterberger Heimatmuseum, im Stadtzentrum von Freyung gelegen, aus. Auch fehlte tatkräftiger Nachwuchs im Trägerverein. Dadurch sah sich der Verein „Heimatsammlung Stadt Winterberg in Freyung e.V.“ gezwungen, die Heimatstube aufzugeben und wandte sich im Sommer 2025 an das Sudetendeutsche Museum in München mit der Bitte um Übernahme der musealen Sammlungsexponate. Um die Abwicklung kümmerte sich Herbert Schiller, ehemaliger 3. Bürgermeister von Freyung und Verbindungsmann, und der Kassierer Gerhard Nickel, der die Geschichte der Heimatsammlung zusammengefasst hat:

1977 übernahm die Stadt Freyung die Patenschaft für die ehemaligen Bewohner der Stadt Winterberg und manifestierte sich in jährlichen Heimattreffen mit anfänglich hohen Besucherzahlen. Dank der großen Spendenbereitschaft gründete sich 1982 der Verein „Heimatsammlung Stadt Winterberg in Freyung e.V.“ mit dem Ziel, die gespendeten Werke aus der Heimat in ansprechenden Räumen einem interessierten Publikum zu präsentieren. Unermüdlicher Initiator der Heimatstube war Dr. Fritz Pimmer. Zunächst wurden zwei Räume in Rathaus eingerichtet, 2009 erfolgte der Umzug in das sogenannte Langhaus am Stadtplatz. Die Unterstützung der Stadt blieb bis zuletzt nie aus.

Mitte April 2026 war es nun so weit. Isabella Zottmann und Jeanine Walcher vom Sudetendeutschen Museum verpackten in Zusammenarbeit mit zwei Kunstpackern die rund 500 Exponate sorgfältig in Kartons. Besondere Vorsicht war bei den entzückenden, aber auch empfindlichen Elfenbeinschnitzereien geboten, die seinerseits in Winterberg angefertigt und exportiert wurden. Eine Herausforderung beim Verpacken und Verladen war der 1,9 m hohe und rund 3 m lange Wandteppich mit der Darstellung der Stadt Winterberg im Jahre 1832. Dieser musste auf einer Rolle mit 40 cm Durchmesser gerollt transportiert werden.

Einen großen Raum im Freyunger Heimatmuseum nahmen bis dato die Erzeugnisse des größten Arbeitgebers in Winterberg, der Firma Steinbrener, ein. Zwar besitzt das Sudetendeutsche Museum schon eine stattliche Sammlung an Gebetbüchern und -kalendern von Steinbrener. Die nun übernommenen Firmenkataloge und persönliche Objekte aus der Firmenfamilie ergänzen den Bestand vortrefflich.
Zur Erleichterung aller Beteiligten ist die Sammlung gut im erst kürzlich erweiterten Museumsdepot in München angekommen. Dort werden die Objekte nun wieder ausgepackt, fotografiert, vermessen, beschrieben und in einer Datenbank erfasst. Dann stehen die Winterberger Objekte für Sonderausstellungen in München und als Leihgaben für andere Institutionen zur Verfügung.
Die Stadt Freyung hat immer noch gute Kontakte zur Stadt Winterberg / Vimperk. Die dortige Stadtverwaltung übernimmt für das Staatsschloss Vimperk alle verbliebenen Ausstellungsmedien, wie die großformatigen Porträts prominenter winterberger Persönlichkeiten oder die für Führungen aufbereiteten Schautafeln zur Stadtgeschichte.
Ganz verloren ist die Heimatstube darüber hinaus nicht: Sie kann digital auf der Homepage des Sudetendeutschen Museums in einem 3D-Rundgang begangen werden: www.sudetendeutsches-museum.de/ausstellungen/heimatstuben